28.Februar 2010, 21 Uhr: Ali Khan liest Ali Khan im Rohrer & Brammer, München, Kaiserstrasse 67

Ali Khan , bayrischer Perser* beschreibt seine Heimat München, den Stadtteil Laim, dem sein Herz gehört.

Immer mehr Menschen aus anderen Ländern suchen in Deutschland eine bessere Existenz oder politisches Asyl. Von Integration wird dieser Tage viel geredet –
mit und ohne Fragebogen. Was aber ist mit denen , die – hier geboren und beheimatet – sich dennoch nicht so unhinterfragt zu Hause fühlen können, wie es uns „Deutschen“ selbstverständlich scheint – weil ihre Abstammung, ihr Name, ihr Aussehen nicht so deutsch, so ty-pisch bayrisch sind wie das der hier seit Generationen ansässigen Einheimischen?
Unterscheidet sich ihre Empfindung und Sichtweise von denen der Urbayrischen? Wenn ja , wie? Schärft die empfundene Nichtzugehörigkeit den Blick für soziale Ungleichheiten, für unsensibles Verhalten der Mitbürger? Von fehlender innerer Heimat kann gesprochen werden, von einer seelischen Zuordnungsschwierigkeit und von einem Identifikationsproblem bei eben nicht ein-deutiger nationaler Identität – kaum nachfühlbar von „echten“ Deutschen. Was noch vor 10 Jahren als exotischer Einzelfall vernachlässigt werden wollte, wird zum Normalfall. Unsere Schulen können es bestätigen.

Ali Khan – Vater Iraner aus Tadschikistan, jetzige Sowjetrepublik, früherer Iran, Mutter Bayerin mit Vorfahren aus Südtirol – Musiker, Radiomoderator, TV-Night Talker, Münchens Enfant terrible, exzellenter Drummer und kaum ´domestizier-bare´ Künstlernatur, hat seine Kindheitserinnerungen geschrieben.

Inhalt:
Unvermutet anrührend und sensibel, ehrlich und überraschend offen beschreibt Ali Khan in seinen Laimer Geschichten Erinnerungen an seine Kindheit, das Aufwachsen in Laim, erste Erfahrungen als Musiker, seine wilden Freunde – den Tod des persischen Vaters, die Affenliebe zur Mutter, einziger, sicherer Bezugspunkt in einer kalten Welt ohne väterlichen Schutz – und immer wieder seine so authentischen Eindrücke von Laim, gegen das „die Bronx ein Naherholungszentrum“ ist.
Er erzählt vom Onkel, dem Kirchenorganist, vom Kiosk der Mutter, von Albert, dem Neger und vom Radlrichter, vom Obdachlosen als Weihnachtsgast, vom Doktorspielen, von der Kartoffelnase, von Drogen, vom Schuh-Bittl und der Bäckerei Detterbeck.
Wir finden uns wieder in den kleinen Preziosen, wir tauchen ein in einen Mikrokosmos, in dem die Bilder eines alten München lebendig werden, das es so nicht mehr gibt, wir erschrecken über die Kälte mancher anonymer Briefschreiber – und wir erfahren, was es heißt, zwischen den Kulturen seine innere Heimat finden zu müssen, die verloren ging oder die man nie geschenkt bekam.
Und wir lernen, zwischen den Zeilen zu erlauschen, dass und warum dem oft scheinbar rigidem Verhalten von Mitbürgern ein innerer Schmerz zugrunde liegt – dass vermeintlich grundlose Aggression nicht nur in ´väterlichem Testosteron´, sondern vielleicht auch in unserer immer noch nicht zur Gänze bewusst ge-machten Ablehnung von Fremdem wurzelt.

Ali Khan – Laimer Geschichten

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