Interview von www.music4ever.de mit Ali Khan über Medien.


Ali Khan –
Radiomoderator, Night-Talker, Kabarettist und Musiker
Musik und Medien
Hallo Ali Khan, Sie sind sozusagen die Seele des nächtlichen Radio-Talk. Wie sind allgemein Ihre
Erfahrungen, vor allem, wenn Sie teilweise mit sehr schwierigen Anrufern zu tun haben? Sind Sie dann
eher genervt?
Also, dann haben Sie die »Ali Khan Radioshow« mal gehört. Ich mache die Sendung
erst seit drei Jahren, allerdings fast jeden Tag. Und hab eigentlich schon zu Beginn
aufgehört zu telefonieren. Früher habe ich sechs Jahre lang für einen Fernsehsender
»Call-In« gemacht, mit anonymen Anrufern telefoniert. Da war alles möglich, von
Liebe bis Hass, von Verachtung bis Verehrung. Dafür hassten mich viele. Oft hab ich
meinen »tollen Schatz« an Hate-Mails verlesen; auch jede Menge Todesdrohungen,
die aber bis jetzt erfolglos blieben.
Wenn ich heute Anrufe kriege, bin ich froh, zu erfahren, wie die Menschen da
draußen vorm Studio drauf sind. Meine Anrufer haben ein extremes Standing – sie
halten jede Beule aus und sprechen einfach über ihr Thema weiter. Oft gehen sie am
Tagesthema vorbei. Ich habe ein paar Grundsätze: »Jeder blamiert sich für sich
selbst« – und ich gehe auch soweit zu sagen: »auch ein behinderter Mensch hat das Recht verarscht zu
werden«. Was ich mache, ist insofern ein bisserl gewöhnungsbedürftig. Es geht nicht darum, wie ich etwas
sage, sondern was ich sage. Und da muss man mich erst mal bei groben Beleidigungen ertappen.
Stellen Sie Ihr Programm hauptsächlich selbst zusammen oder entscheiden eher andere? Wie ist denn
da der Ablauf?
Ich bin wirklich einer der wirklich letzten Moderatoren, die sich den Luxus einer eigenen Meinung leisten. Es
gibt niemanden, der mir irgendwie reinreden möchte (lacht) – noch darf. Die können ihre Scheiße selbst
fressen; ich brauch das nicht. Ich will mit denen sprechen, die an meinem Schicksal auch teilnehmen. Ich
hab keinen Chefredakteur, der mich zurechtweist. Außer, ich muss einmal eine Gegendarstellung bringen,
das passiert. Das geht nur mit einem Sender, der hinter einem steht und der einem die Möglichkeit des
Mikrofons und der Sende-Antennen gibt. Das war Voraussetzung für meine Beschäftigung. Ich hab gesagt:
Ich will nicht viel Geld verdienen und auch nicht besonders behandelt werden. Ich möchte nur meine
Freiheiten, und die haben sich dran gehalten. Die drei Jahre waren unglaublich entspannt für mich.
Wie sehen Sie das Verhältnis beziehungsweise die Gewichtung zwischen Musik und Wortbeiträgen in
einer Radiosendung? Bei den öffentlichen Sendern war es bis Anfang der 90er so, dass die Musik stark
im Hintergrund war, was sich vom Trend her mit den Jahren aber änderte.
Bei der Radioshow fällt auf, dass recht viel gesprochen wird – was wir nicht negativ sehen.
Da sprechen Sie ein heikles Thema an. Die Musik steht zunächst sehr im Vordergrund. Aber beim Format-
Radio – wie man es nennt, das ja nicht nur deutschlandweit gleich klingt und sich aus zirka 600 Titeln speist
– ist die Musik eigentlich immer mehr zur Nebensache degradiert worden. Die Hörer werden mit einem von
Werbung und Verkehrsnachrichten unterbrochenen Einheitsbrei zugemüllt. Sie können zwischen
kommerziellen Sendern hin und her schalten und werden verschiedene Titel vier- bis sechsmal am Tag
hören. Das ist eine unglaubliche Verengung der musikalischen Wirklichkeit.
Ich halte das für schrecklich. Aber es ist eben – wie man sagt – »markttechnisch geboten«. Ein Computer
spielt Songs ab, das kostet keine Arbeitskraft. Der Programmierer schreibt eine Software und schon wirkt es
so, als sei alles dem Sender persönlich eingefallen. Das ist supertraurig. Schön ist jedoch, dass ich es
anders machen kann. Ich kann mich dem Menschen widmen, der zu mir kommt, der so nett ist und mir seine
Songs zur Disposition stellt.
Und es geht bei mir von der Schülerband bis zum »Million-Seller«. Ich behandle wirklich jeden gleich. Es ist
mir völlig egal, ob jemand mit dem Rolls-Royce unten vorm Studio vorfährt oder ob er mit der S-Bahn kommt
– weil der Hörer so die Möglichkeit hat, aufgrund der Musik selbst einzuschätzen, was hinter ihr für ein
Mensch steckt. Genau das möchte ich herausfinden. Ich will auch mit Million-Seller-Interpreten nicht darüber
sprechen, wieviele Platten sie jetzt verkauft haben. Mich interessieren Musiker, die bereit sind, zwei Stunden
auch als Mensch zu antworten. Man kommt dabei »vom Hölzerl aufs Stöckerl«. Mir macht das sehr viel
Spaß, und es sind große Überraschungen dabei: Die eigentlich ruhigsten Typen sind oft die besten
Gesprächspartner, bekommen das meiste Feedback, und große »Seller« sind echte Langweiler, weil sie von
den Medien, die auf ihre Protzereien reinfallen, viel zu verwöhnt sind.
Das ist ja eine ziemlich gute Überleitung zur nächsten Frage: In Ihrer Sendung stellen Sie relativ oft neue
Gruppen und Interpreten vor. Wie sind Ihre Erfahrungen?
Haben diese Musiker anschließend den gewünschten Erfolg?
Das ist ein weites Feld. Was ist Erfolg? Ganz aktuelles Beispiel: Kürzlich habe ich gelesen, Dieter Bohlen
unterstützt seinen Schützling Daniel Schumacher nicht mehr. Das ist dann eine Meldung wert! Bohlen hat
den noch nie unterstützt, (lacht) Insider wissen das. Aber für den normalen Mediennutzer kommt es so
daher, als gäbe es auf der Welt Menschen in guter Funktion, wie Dieter Bohlen als Produzent, Komponist
und Show-Host, die Verantwortung für andere Menschen mit übernehmen.
Ali Khan als »König von München«
Ich tu das auch nicht. Ich nehme den Interpreten so ernst, wie er wahrscheinlich –
und das ist das wichtigste – in den Medien sonst überhaupt nicht mehr genommen
werden kann. Weil sich weder jemand die Zeit nimmt, noch das Risiko eingeht, dass
nicht die »richtige« Stimmung entsteht, das Produkt »richtig« zu featuren. Darum
geht’s mir überhaupt nicht.
Mir geht’s darum, dass Musik, die jemand macht, auf einer Ebene hörbar wird, auf
der sie sonst nie über den Äther geht. Macht ja auch der Bohlen, nur dass alle Lieder
von ihm selbst sind (lacht), die er auf diese Weise pusht. Die Leute müssen schon
vorher im Vertrag unterschreiben, dass sie nach Ende der DSDS-Staffel ein Jahr
lang nicht mit anderen Medien reden dürfen als dem angeschlossenen Sender. Das
wissen nur wenige; die jungen Künstler sind die vollen Sklaven.
Das heißt, sie nehmen an einer Veranstaltung teil, in der sie – jung, auch sehr talentiert – in höchste
Bedrängnis gebracht werden. Sie wissen, dass sie der Jury nach dem Maul reden müssen. So hat es keiner
in die Sendung geschafft, der gesagt hätte: »Hey, ich singe deine Lieder nicht.« Sie tun so, als ob sie
kritikfähig wären, aber sie sind es natürlich nicht.
Was ist mit Küblböck?
Der Küblböck! Ich finde ihn – nachträglich gesehen – noch relativ witzig. Da wusste noch niemand, wie der
Hase läuft. Die TV-Sender sind ja nicht so, dass sie sagen: »So, das machen wir jetzt genauso weiter.« Die
entwickeln sich ja auch. So ein Typ wie der Küblböck würde heute gar nicht mehr vorkommen. Klar, es wird
immer einer mitgeschleppt, der schlechten Rock’n’Roll spielt. Er wird mitgezogen, um die Klientel im
Publikum zu halten, so dass man halt mitfiebert. Aber es ist klar, dass der nicht Nummer 1 wird. Stattdessen
schafft es der Bravste, der Anständigste. So ein Fernsehen haben wir halt heute, und diese Formate
entwickeln sich ganz schnell mit den Wünschen ihres Publikums. Sehr schnell.
Jetzt macht der erste DSDS-Gewinner Alexander Klaws ja Fernseh-Karriere, als Schauspieler.
Die Frage ist, ob es nicht anständiger wäre, direkt zum Sozialamt zu gehen als beim Besetzungsbüro vom
»Marienhof« anzurufen. Junge Leute wissen nicht, dass das kein Aufstieg ist, sondern ausweglos von dem
wegführt, was sie ursprünglich wollten.
Die Kandidaten – kann man wirklich so sagen – werden danach gecastet, wie biegsam sie sind. Das ist ein
unglaublich perverses Spiel, in dem ein Millionenpublikum eingebettet ist. Ein Pseudo-Wettbewerb, der
junge Menschen entwürdigt – nicht viel anders als ein Porno-Casting.
Das ist doch kein Sprungbrett im eigentlichen Sinn, obwohl manchmal wie im Fall des englischen
Opernsängers Paul Potts schöne Geschichten daraus gemacht werden. Ich glaube, das war eine
abgemachte Sache, vorher schon. Die wissen doch, wer da auf die Bühne kommt. Und wenn die Leute
mitspielen – gibt’s was besseres?
Mich stört die lieblose Art von DSDS. Wenn Sie sich mal die letzten Bilder anschauen, wie der Erste gekürt
wird, wie schnell der Zweite im Abseits sein Schicksal wegbeißen muss – das ist fürs Leben scheiße. Bloß,
in unserer Gesellschaft heißt es eben: Entweder erster Platz oder gar nichts.
Bleiben wir ein wenig bei der Musik. Eine persönliche Frage: Welche hören Sie persönlich am liebsten?
Ich höre ganz wenig Musik. In meiner Radiosendung lausche ich beispielsweise der Musik meiner Gäste, sei
es türkische Flöte oder Heavy Metal. Da höre ich zwei Stunden lang zwischen sechs und acht Titel.
Ich persönlich hatte Zeiten, in denen ich sehr viel gehört habe. Damals habe ich auch sehr viel Musik
produziert. Das war die schlimmste Zeit in meinem Leben: Der Sound kam entweder zu laut oder zu leise bei
mir an. Es war schrecklich.
Ich höre eigentlich mit Vorliebe ein paar Interpreten, die ich immer schon gemocht habe, seit ich sie kennen
lernen durfte. Ich bin immer wieder überrascht, wie gerade in der Pop- und Rock-Musik ein guter Song bei
mir immer wieder diese Initialzündung erzeugen kann. Das Schlimme: Songs wie »Downtown« und
»Yesterday« darf ich länger nicht hören, damit sie das wieder schaffen. Dann geht mir so viel auf in meinem
Kopf.
Es gab ja Zeiten – das wissen die jungen Leute gar nicht mehr –, in denen es ein Glück war, seine
Lieblingsmusik hören zu können. Wenn Jimi Hendrix im Radio kam, haben wir – während wir irgendwelche
Sachen ausgeliefert haben – den Kleintransporter am Straßenrand geparkt, sind ausgestiegen und haben
zum Titel salutiert. Das war unsere Geheimsprache.
Heute sind die jungen Leute anders orientiert; eher auf Nischen. Jeder meint, er höre oder mache eine ganz
besondere Musik.
Sind oder waren Sie eigentlich auch Musiker?
Ja, ich hab mit 14 Jahren angefangen, Schlagzeug zu spielen. Hab mit 17 die 11. Klasse der Oberschule
verlassen, um Profi-Drummer zu werden. Bin nach Berlin gegangen, habe gleich mit der Band »Mythos«
zusammengearbeitet. Vom Stil her waren wir »Tangerine Dream« sehr ähnlich, lebten ebenfalls in einer
Kommune. Ich hab dann bis zu meiner Heirat mit 28 eigentlich auf der ganzen Welt gespielt – überall dort,
wo sie lange Haare hatten, Drogen nahmen und wo es laut war. Und das hat mich stark geprägt. Ich hab so
viel Gras gefressen, dass mir heute der Weg zum Sozialamt nicht mehr unehrlich vorkäme.
Wo liegen in der Radioshow für Sie die musikalischen Grenzen? Was spielen Sie nicht?
Ich spiele die DDR-Nationalhymne genauso wie ganz alte Schlager. Da gibt es zum Beispiel einen Mann,
der uns aus der Ex-DDR Musik mitbringt; auch mal eine wunderbare Version von »Pack die Badehose ein«,
in Russisch.
Was ich nicht bringen würde? Da spielen sie wahrscheinlich auf so Nazi-Bands an. Wenn ich mir eine Polka
mit verzerrten Gitarren und schlechten Texten anhören will, kann ich gleich auf volkstümliche Musik
zurückgreifen; das halte ich vielleicht eine Sendung lang aus. Aber wenn Musiker im Studio sitzen und ewig
vom »Deutschen« reden, ist das nur mäßig witzig. Wir hatten bisher so viel Sendezeit; das fällt nicht ins
Gewicht. Die Mehrzahl gibt sich Mühe und hat das Recht, gehört zu werden. Der Hörer kann, wenn er die
Sendung länger verfolgt hat, selbst einschätzen, was ihm gefällt.
Themenwechsel: Der Bundestagswahlkampf ist gerade gelaufen.
Wie viel Politik dürfen Sie in Ihrer Sendung wagen? Meinungen, Stellungnahmen – wo liegen da die
Grenzen?
Wie schon vorher gesagt: Es gibt niemanden, der mir was sagt. Im Prinzip läuft es bei den Medien so:
Chefredakteur oder Geschäftsführer kommen ins Studio und sagen möglicherweise: Das war’s! Es gibt keine
Frist für eine letzte Sendung.
Nichts auf dieser Welt, auch wenn wir über Musik reden, ist unpolitisch. Wir leben alle in einem
Spannungsfeld, wollen und sollen zusammenleben. Meine Methode ist, mich dümmer zu stellen als ich bin.
Dadurch schaffe ich eine Ebene, auf der jeder mit mir sprechen kann. Ich bekomme durch Anrufe oder
Gäste oft Untertöne mit, die für mich Zeitdokument sind. In 500 Jahren gibt es vielleicht Medien, die das
noch abspielen können. Vergleich: Stellen Sie sich vor, wir könnten uns heute ein MP3 oder eine Kassette
anhören, wie sich die Ritter unterhalten haben. Dann wüssten wir ziemlich genau, was ihnen wichtig war.
Wer weiß, am Ende waren das die gleichen Themen, die uns auch heute bewegen.
Ein Zusatz: Fernsehen und Radio versagen in unserer Zeit vollkommen. Sprecher und Moderatoren haben
kaum mehr Kompetenz. Ich würde mich freuen, wenn ich einen interpretierenden Nachrichtensprecher höre.
Nein, stattdessen ist wichtig, welches Hemd er trägt.
Konkret gefragt: Laden Sie auch Politiker in Ihre Sendung ein? Einer war ja schon hier …
Einer? Im Wahlkampf kommen sie alle, auch Minister. Letztens hatten wir den Singhammer hier, den Volk
von der FDP und Hep Monatzeder von den Grünen.
Ich erzähle Ihnen mal was: Neulich ging ich in der Fußgängerzone spazieren und bemerkte einen
Tapeziertisch mit zwei Männern, außenrum 60 Polizisten. Da wurde ich neugierig, fragte die Uniformierten,
was da los sei. Ich bekam als Antwort, das seien Nazis. Daraufhin lud ich beide in meine Radioshow ein.
Nun bin ich kein großer Polit-Rhetoriker, führte aber ein interessantes Gespräch zum Thema
»Judenverfolgung«. Am nächsten Tag sollten alle Bürgermeisterkandidaten in der Morningshow auftreten –
und alle sagten ab, wegen jener Sendung. Da habe ich mich gefragt, wo sind wir denn, dass andere mir
meine Gespächspartner vorschreiben? Die Kandidaten baten mich um einen Mitschnitt der Sendung. Die
schickte ich ihnen – und habe nie wieder etwas davon gehört. Warum wohl?
Wenn wir nicht mehr miteinander sprechen, wird’s gefährlich. Solange man redet, ist es okay. Es geht auch
nicht, dass alle aufstehen und gehen, wenn der iranische Präsident vor der Uno spricht. Die reisen auf
Spesen ihrer Länder dorthin – und gehen dann einfach weg, wenn jemand spricht. Wer cool reagiert, wartet
bis der andere seine Rede beendet, geht dann nach vorn und gibt eine Antwort. Dann setzt sich der
Ahmadinedschad hin und sagt »Aha!«. Das ist für mich Demokratie; das ist Redefreiheit.
Welches ist Ihr Zielpublikum? »Nachteulen« vor dem Radio?
Ich bin nicht im Zeitalter des Marketing aufgewachsen und mache mir keine Gedanken, wer mein
Zielpublikum ist. Sie halt!
Viele Menschen – auch die Live-Gäste – fragen, wie viele denn da zuhören. Erstens ist es schwer, das zu
beantworten, das wissen wir nie so genau. Ich gehe auch nicht davon aus, möglichst viele zu binden. NEIN
– alles liegt an der Musik! Ich bin schon vor Zehntausenden von Leuten aufgetreten – das ist leicht. Aber geil
ist es, wenn ich in einem Club spiele, wo nur 15 Leute gekommen sind, davon 14 gehen und nur die Klofrau
übrig bleibt, die das Konzert dann überschwänglich lobt. Für die Menschen, die Musik hören und die zuhören
wollen, machst du Musik. Das ist genau das Gegenteil von DSDS – da wird nämlich ein Publikum
herangekarrt, das sich Mist anhören muss und auch noch geil darauf gemacht wird.
Ist »Ali Khan« Ihr richtiger Name oder ein Pseudonym?
Es gibt Namen, die funktionieren, und welche, wo der Fall anders liegt. »Ahmadinedschad« funktioniert zum
Beispiel nicht. Suchen Sie bei Google mal unter »Ali Khan«. Sie finden lauter Terroristen. Fragen Sie sich
einfach, »was will er uns mit dieser Antwort sagen?«. Das ist mir alles nicht wichtig. Eines ist sicher: Es gibt
mich als öffentliche Figur – und es gibt mich auch als Privatmensch. Eine Figur – daran kann auch ich nicht
vorbei – muss irgendwie funktionieren. Bin vielleicht nicht ganz so dumm, nicht ganz so laut, vielleicht
eigentlich ein schüchterner Mensch. (lacht)
Ich mach die Shows ja noch nicht so lang – erst seit 15 Jahren. Aber ich spiele seit 45 Jahren Schlagzeug,
und das will erstmal gehobelt sein. Ich bin ein treuer Mensch; was ich mache, mache ich zu Ende. Und dann
schaunmer mal, was passiert. Wie gesagt: Sozialamt oder eine Herausforderung, wo man den Menschen
noch irgendwie erreicht. Das Radio liefert dazu alle Möglichkeiten. Bisher bin ich anständig geblieben – es
ist eben Rock’n’Roll. Ich bin der Gegenpol zum stromlinienförmigen Show-Business.
Welche Rat können Sie jungen Musikern mit auf den Weg geben?
Grundsätzlich lieber nur Zweiter, Dritter oder Vierter bleiben als Erster zu werden. Erfolg macht kaputt. Was
junge Interpreten wissen sollten: Viele von euch warten auf den Mann auf dem Schimmel, der sagt: Du bist
gut! Aber es gibt NIEMANDEN auf der ganzen Welt, der am Schreibtisch sitzt, mit einer großen
Stereoanlage, der sich meine Platte ganz anhört und sich nachher Notizen macht. Dieser Mensch müsste
sich ja mindestens neun Milliarden Songs anhören, von fünf Milliarden Musikern. Das tut sich doch keiner
an! Daher meine Frage: Warum nutzt Ihr eure Kreativität, die ihr in die Musik gesteckt habt, nicht auch dazu,
euch Wege zu überlegen, einen Plattenvertrag zu ergattern? Lasst euch was Originelles einfallen.
Ali Khan, danke für das Gespräch.
Das Interview führte Joachim Eiding

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